Fahrbericht Lexus RX 400h mit Hybridantrieb (Benzin- und Elektromotor)

Zukunft naht mit großen Schritten

Benziner und Diesel sind Auslaufmodelle. Wasserstoff ist die künftige Zauberenergie, womit die Mobilisten im Jahr 2015 rechnen. Der Weg dorthin führt über Hybridautos wie dem Lexus RX 400h. Wir konnten ihn testen.

Von Ingo Buck
„Wir schreiben das Jahr 2006. Fast lautlos bewegt sich ein modern gestylter SUV (Sport Utility Vehicle) durch die vernebelten Straßen einer Großstadt. Ein Passant erschrickt, als das Fahrzeug mit seinen dunkel getönten Scheiben an ihm vorbeigleitet. Kein Motorengeräusch ist zu hören. Plötzlich beschleunigt das wundersame Auto äußerst schnell und verschwindet in der Nebelwand.“
Was sich wie ein Text aus einem Since-Fiction-Roman liest, ist Wirklichkeit. Der seit Mai 2005 in Deutschland erhältliche Lexus RX 400h kann - nur mit Elektromotor und Batterieversorgung angetrieben - locker im Stadtverkehr mitschwimmen oder morgens leise von der Auffahrt rollen und kaum einer hört es. Benötigt der Fahrer mehr Leistung, genügt ein Tritt aufs Gaspedal und der Benzinmotor sorgt für zusätzliche Leistung.

Erster Allrad-SUV

Toyota ist Vorreiter in der Hybridtechnologie. Schon 1997 präsentierte das japanische Unternehmen den Prius I, das erste in Serie gefertigte Hybridmobil. Es folgte der Prius II im Jahre 2003 und 2005 mit dem Lexus RX 400h der erste Allrad-SUV mit 3,3-Liter-V6-Benzintriebwerk (155 kW/211 PS) und zwei Elektromotoren. Stattliche 200 kW/272 PS Spitzenleistung erzielen die Hybrid-Komponenten im Lexus zusammen und erreichen mit 750 Nm ein Drehmoment, das selbst großen V8-Triebwerken zu Ehre gereichen würde. Nur 7,6 Sekunden braucht der RX 400h aus dem Stand bis auf Tempo 100 km/h. Beim Verbrauch kann der Hybrid-Lexus sogar Dieselmotoren-Niveau erreichen: 8,1 Liter Superbenzin laufen im Schnitt durch die Einspritzdüsen, wenn man sorgsam mit dem Gaspedal umgeht. Im Test erreichten wir diesen Wert nicht. Aber 9,4 Liter Minimalverbrauch sind auch kein schlechter Wert für einen allradangetriebenen SUV in dieser Klasse. Nutzt man die Leistung dagegen aus, werden im Schnitt 11,8 Liter fällig. Im Vergleich mit anderen Fahrzeugen aus diesem Segment – die über keine Hybridtechnik verfügen – spart der Lexus bei ähnlicher Fahrweise aber immer noch rund zwei bis drei Liter auf 100 Kilometern ein.

Lautloses Anfahren

Start und Antrieb erfolgen beim Anfahren ausschließlich über die Elektromotoren, der Verbrennungsmotor bleibt ausgeschaltet. Die Antriebsenergie liefert die Hybridbatterie, die zu diesem Zweck bis zu 45 kW/61 PS bereitstellt.

Überlandfahrt

Möchte man beschleunigen, wird der Verbrennungsmotor automatisch per Generator gestartet und seine Leistung über ein Planetengetriebe in den Antriebsstrang gespeist. Ein Teil wird zum Betreiben des Generators benutzt, der wiederum Strom in die Batterien speist oder die Elektromotoren versorgt. Der vordere Elektromotor kann 333 Nm Drehmoment bei 0 bis 1500 U/min bereitstellen, der hintere schafft 130 Nm bei 0 bis 610 U/min und ist alleine für den Hinterradantrieb zuständig. Zusammen mit dem Benzinmotor (287 Nm bei 4400 U/min.) werden insgesamt 750 Nm erreicht. Die Aufteilung der Leistung erfolgt immer im Hinblick auf den höchsten erzielbaren Wirkungsgrad des Gesamtsystems.

Bremsen

Beim Verzögern und im Schiebebetrieb arbeiten die Elektromotoren als Generatoren und wandeln die Bremsenergie, die normalerweise als Wärme verloren geht, in elektrische Energie um. Diese wird in der Batterie gespeichert (regeneratives Bremssystem). Der Verbrennungsmotor schaltet sich beim Bremsen, im Schiebebetrieb und beim Anhalten automatisch ab.
Der variierende Einsatz der Antriebskomponenten erfolgt beim Lexus RX 400h besonders weich und im Innenraum kaum wahrnehmbar. Überhaupt ist der japanische SUV ein sehr leiser Vertreter und mit vielen Merkmalen ausgestattet, die dass Reisen erleichtern und äußerst komfortabel gestalten. Zu bemängeln ist lediglich ein zu großer Wendekreis (12,2 Meter). Das Fahrwerk ist offensichtlich für amerikanische Verhältnisse ausgelegt worden, wodurch der Federungskomfort recht hoch ist. Die Bremsen sind äußerst standfest und packen gut zu. Auf den fünf Sitzplätzen fühlen sich alle Passagiere wohl. Beim Kofferraumvolumen stehen etwas magere 439 Liter zur Verfügung, die bei umgeklappter Rückbank auf 1180 Liter erweitert werden können.
Alles in allem zeigt uns der Lexus RX 400h wo die Reise hingehen soll. Mit 49 750 Euro, bei sehr guter Ausstattung, kann man über den Preis nicht meckern, zumal der Hybrid-SUV momentan noch ein Alleinstellungsmerkmal hat.      bbs

Technische Daten:

Karosserie: Selbsttragende Stahl-Karosserie, fünf Türen, fünf Sitzplätze, cw: 0,33.
Motor: Sechs_zylinder V-Benzinmotor mit variabler Ventilsteuerung, 24 V, 3311ccm, 155 kW/211 PS, 288 Nm bei 4400 U/min., Euro4, CO2-Emission 192 g/km.
Antrieb: Elektrischer Allradantrieb, stufenlos variables Getriebe, Hybrid Synergy Drive (HSD) mit Verbrennungsmotor, Elektromotor und Generator; variable Leistungsverzweigung; Zuschaltender Elektromotor für den Hinterradantrieb, Stabilitätskontrolle VSC mit Traktionskontrolle (TRC), ABS mit Bremskraftverteilung (EBD).
Maße & Gewichte: Länge/Breite/Höhe = 4,76 m/1,85 m/ 1,68 m; Leergewicht 2075 kg, Gepäck 439-1180 Liter.
Fahrwerte: 0-100 km/h in 7,6 Sek., Vmax. 200 km/h.
Verbrauch: Stadt/Land/Gesamt = 9,1/7,6/8,1 l Super auf 100 km; Test 11,8 l/100 km.
Preise: 49 750 Euro Basispreis, Executive 4550 Euro, Luxury 9150 Euro auf Basispreis.
Der RX 400h ist in den drei Ausstattungslinien erhältlich. Serienmäßig bei allen: sieben Airbags, Xenon-Scheinwerfer, Aluräder, Privacy-Glas, Audiosystem, Tempomat mit Lenkradbedienung, Klimaautomatik.
Das DVD-Navigationssystem mit großem Bildschirm kostet 3500 Euro. Beim Rückwärtsfahren zeigt eine Heckkamera mit Hilfslinien den Weg in die Parklücke.

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zuletzt aktualisiert am 13.11.2019 

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